Kurz & klar: Die Andropause beschreibt den langsamen Testosteronabfall beim alternden Mann — ca. 1–2 % pro Jahr ab dem 30. Lebensjahr. Typische Symptome: Müdigkeit, Libidoverlust, Muskelabbau. Diagnose per Bluttest; Lebensstil und ggf. ärztliche Therapie helfen.

1. Was ist die Andropause — und gibt es „Wechseljahre beim Mann" wirklich?

Der Begriff „Wechseljahre beim Mann" kursiert in Ratgebern und im Alltag, wird in der Medizin aber kritisch betrachtet — denn er suggeriert eine Parallele zur weiblichen Menopause, die so nicht besteht. Trotzdem steckt ein realer Prozess dahinter: der altersbedingte Rückgang des Testosteronspiegels, medizinisch als Late-onset-Hypogonadismus oder Andropause bezeichnet.

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es steuert nicht nur die Libido und Spermienproduktion, sondern wirkt auf Muskelmasse, Knochendichte, Stimmung, Energiestoffwechsel und kognitive Leistung. Ab etwa dem 30. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel beim Mann schleichend — um durchschnittlich 1–2 % pro Jahr. Das klingt wenig, summiert sich aber: Mit 60 hat ein Mann unter Umständen nur noch 60–70 % des Testosterons eines 30-Jährigen.

Wichtig zu verstehen: Nicht jeder Mann entwickelt klinisch relevante Beschwerden. Schätzungsweise 10–20 % der Männer über 60 zeigen Symptome, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Bei vielen verläuft der Rückgang symptomarm. Das ist der entscheidende Unterschied zur weiblichen Menopause, die nahezu alle Frauen betrifft und mit einem abrupten Hormoneinbruch verbunden ist.

Medizinische Einordnung: Die Endocrine Society unterscheidet beim Mann zwischen primärem Hypogonadismus (Hodenversagen) und dem altersassoziierten Testosteronabfall. Letzterer ist kein Krankheitsbild per se, kann aber bei ausgeprägter Symptomatik behandlungswürdig sein. Zum Vergleich: Was Frauen in den Wechseljahren hormonell erleben, lesen Sie in unserem Ratgeber Wechseljahre Symptome: Was ist normal — und was nicht?

2. Symptome der Andropause: Was ist typisch?

Das Tückische an der Andropause ist ihre Unschärfe. Die Symptome entwickeln sich langsam, sind unspezifisch und überschneiden sich mit einer Vielzahl anderer Erkrankungen — von Schilddrüsenunterfunktion über Depression bis zu Schlafapnoe. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich, bevor man vorschnell von „männlichen Wechseljahren" spricht.

Häufige Symptome im Überblick

Keines dieser Symptome ist allein beweisend für eine Andropause. Erst die Kombination aus typischen Beschwerden und einem entsprechenden Laborbefund ergibt eine belastbare Diagnose. Das Pendant bei Frauen — das psychische Erleben hormoneller Veränderungen — haben wir im Artikel Wechseljahre und Psyche: Stimmung stabilisieren ausführlich beschrieben.

3. Diagnose: Welche Blutwerte sind relevant?

Der erste Schritt zur Abklärung ist ein Bluttest. Testosteron wird idealerweise morgens nüchtern abgenommen — da der Spiegel im Tagesverlauf stark schwankt (morgens am höchsten, abends um bis zu 30 % niedriger).

Parameter Was er misst Normbereich (Erwachsener Mann)
Gesamt-Testosteron Gesamter Testosteronspiegel im Blut 12–35 nmol/l (je nach Labor)
Freies Testosteron Biologisch aktiver Anteil 0,17–0,52 nmol/l
SHBG Sexualhormon-bindendes Globulin (beeinflusst freies T) 10–57 nmol/l
LH & FSH Steuerungshormone der Hirnanhangsdrüse LH: 1,5–9,3 IU/l; FSH: 1,4–18,1 IU/l
Prolaktin Ausschluss Hyperprolaktinämie als Ursache < 15 ng/ml

Einen Testosteronwert unter 12 nmol/l Gesamt-Testosteron wertet die Endocrine Society in Kombination mit typischen Symptomen als behandlungswürdig. Zwischen 12 und 15 nmol/l liegt eine Grauzone — hier sind Symptome und Gesamtkonstellation entscheidend. Wichtig: ein einzelner Messwert genügt nicht, da Testosteron stark schwankt. Mindestens zwei Messungen an verschiedenen Tagen werden empfohlen.

Welche Werte sonst noch relevant sind: Neben den Sexualhormonen sollten Schilddrüsenwerte (TSH), Blutbild, Blutzucker (HbA1c) und Leberwerte abgeklärt werden — viele Andropause-Symptome werden durch andere Erkrankungen verursacht oder verstärkt. Einen ausführlichen Überblick zu Hormonbluttests bietet unser Ratgeber Hormon-Bluttest: Welche Werte in den Wechseljahren testen lassen?

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4. Testosteron natürlich unterstützen: Was hilft wirklich?

Bevor eine Testosteron-Ersatztherapie in Betracht gezogen wird, lohnt sich ein kritischer Blick auf den Lebensstil — denn dieser hat einen messbaren Einfluss auf den Testosteronspiegel. Mehrere Faktoren, die Testosteron nachgewiesenermaßen senken, lassen sich gezielt angehen.

Krafttraining und Bewegung

Körperliche Aktivität — insbesondere Krafttraining mit schweren Gewichten — ist der stärkste nicht-medikamentöse Stimulus für die Testosteronproduktion. Mehrere Studien belegen einen akuten und langfristigen Anstieg des Testosterons nach Widerstandstraining. Kombiniertes Training (Kraft + Ausdauer) zeigt in der Forschung oft bessere Gesamtergebnisse als reine Cardio-Einheiten.

Schlaf

Testosteron wird überwiegend nachts produziert — während des Tiefschlafs. Schlafdauer unter 5 Stunden reduziert den Testosteronspiegel beim Mann innerhalb von einer Woche messbar. 7–9 Stunden Schlaf sind keine Luxus, sondern hormonelle Notwendigkeit.

Gewicht und Körperfett

Viszerales Fett (Bauchfett) produziert das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Ein erhöhter BMI korreliert deshalb direkt mit niedrigerem Testosteron. Gewichtsreduktion — auch moderate — hebt den Testosteronspiegel messbar an.

Stressreduktion

Chronisch erhöhtes Cortisol (Stresshormon) hemmt die Testosteronproduktion auf Ebene der Hirnanhangsdrüse. Wer dauerhaft unter hohem Druck steht, sabotiert seinen Testosteronspiegel — unabhängig vom Alter.

Mikronährstoffe

5. Testosteron-Ersatztherapie: Wann sinnvoll — und welche Risiken?

Wenn Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen und der Testosteronmangel klinisch bestätigt ist, kann eine Testosteron-Ersatztherapie (TRT) in Betracht kommen. Sie wird als Gel (täglich auf die Haut), Injektion (alle 2–12 Wochen je nach Präparat) oder Pflaster verabreicht.

Mögliche Vorteile einer TRT

Risiken und Kontraindikationen

Eine TRT ist kein harmloses Anti-Aging-Mittel und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht und bei gesichertem klinischem Hypogonadismus eingesetzt werden. Bekannte Risiken:

Eine aktuelle Leitlinie der Endocrine Society (Bhasin et al., J Clin Endocrinol Metab, 2018) empfiehlt TRT nur bei Männern mit klar nachgewiesenem Hypogonadismus (unter 12 nmol/l Gesamt-Testosteron) und typischen Symptomen — nicht als präventive Maßnahme oder allein aufgrund von Alter.

6. Andropause vs. weibliche Menopause: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der Vergleich liegt nahe — aber die Unterschiede überwiegen die Gemeinsamkeiten. Ein Überblick:

Merkmal Weibliche Menopause Männliche Andropause
Betroffene Hormone Östrogen, Progesteron (starker Abfall) Testosteron (langsamer Abfall)
Verlauf Abrupt, innerhalb weniger Jahre Graduell über Jahrzehnte
Fertilität Endet vollständig Bleibt (vermindert) erhalten
Universalität Betrifft nahezu alle Frauen Klinisch relevant bei ca. 10–20 % der Männer über 60
Typisches Alter 45–55 Jahre 50–70 Jahre (keine feste Grenze)
Hitzewallungen Sehr häufig (70–80 % der Frauen) Selten, nur bei ausgeprägtem Hypogonadismus
Knochenabbau Stark beschleunigt nach Menopause Langsamer, aber vorhanden
Therapieoption HRT (gut belegt, breite Anwendung) TRT (enger indiziert, mehr Risiken)

Was beide Prozesse verbinden: Die hormonellen Veränderungen sind real, beeinflussen Lebensqualität spürbar — und lassen sich durch Lebensstil, Ernährung und, wo indiziert, medizinische Therapie positiv beeinflussen. Paare, in denen beide Partner gleichzeitig hormonelle Veränderungen erleben, profitieren häufig davon, diese gemeinsam zu thematisieren und zu verstehen.

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Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die Andropause beim Mann?

Die Andropause bezeichnet den schleichenden Rückgang des Testosteronspiegels beim alternden Mann — ab etwa 30 Jahren sinkt Testosteron um ca. 1–2 % jährlich. Anders als die weibliche Menopause ist dieser Prozess graduell und betrifft nicht alle Männer gleich stark. Medizinisch spricht man von Late-onset-Hypogonadismus, wenn Symptome und ein klinisch relevanter Testosteronmangel zusammentreffen.

Welche Symptome hat die Andropause?

Typische Symptome sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, verringerte Libido, Erektionsprobleme, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, Muskelabbau, Zunahme von Bauchfett und Schlafstörungen. Die Symptome überschneiden sich mit anderen Erkrankungen, weshalb eine Blutuntersuchung wichtig ist.

Ab welchem Alter beginnt die Andropause?

Testosteron beginnt beim Mann ab etwa 30 Jahren langsam zu sinken. Klinisch relevante Symptome treten meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Es gibt keine feste Altersgrenze — das Tempo des Rückgangs ist stark individuell und hängt von Gesundheitszustand, Körpergewicht, Lebensstil und genetischen Faktoren ab.

Wie wird die Andropause diagnostiziert?

Durch einen Bluttest: Gesamt-Testosteron und freies Testosteron (morgens nüchtern abnehmen lassen), LH und FSH, SHBG sowie Prolaktin. Ein Wert unter 12 nmol/l Gesamt-Testosteron gilt in Kombination mit Symptomen als klinisch relevant. Da Testosteron stark schwankt, sind mindestens zwei Messungen an verschiedenen Tagen sinnvoll.

Kann man die Andropause natürlich behandeln?

Lebensstilmaßnahmen können den Testosteronspiegel messbar beeinflussen: Krafttraining, ausreichend Schlaf (7–8 Stunden), Stressreduktion, Gewichtsnormalisierung und eine proteinreiche Ernährung. Bestimmte Mikronährstoffe wie Zink, Vitamin D und Magnesium sind ebenfalls relevant und können bei Mangel gezielt supplementiert werden.

Ist die Andropause dasselbe wie die weibliche Menopause?

Nein. Die weibliche Menopause ist ein abrupter hormoneller Einschnitt — Östrogen sinkt stark, die Fertilität endet. Die männliche Andropause ist ein langsamer, gradueller Prozess über Jahrzehnte, der nicht bei allen Männern klinisch relevant wird. Hitzewallungen, wie sie Frauen erleben, treten beim Mann nur bei schwerem Hypogonadismus auf.

Dr. Katrin Hoffmann
Dr. Katrin Hoffmann — Ernährungsberaterin & Frauengesundheits-Expertin
Dr. Hoffmann begleitet Frauen in der Peri- und Postmenopause mit einem integrativen Ansatz aus Mikronährstoffmedizin, Bewegung und Ernährungsberatung. Sie schreibt regelmäßig über hormonelle Gesundheit für beide Geschlechter.
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Wissenschaftliche Quellen:

1. Harman SM, et al. „Longitudinal effects of aging on serum total and free testosterone levels in healthy men." J Clin Endocrinol Metab. 2001;86(2):724–31. PMID: 11158037.

2. Bhasin S, et al. „Testosterone Therapy in Men with Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline." J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(5):1715–1744. PMID: 29562364.

3. Pilz S, et al. „Effect of vitamin D supplementation on testosterone levels in men." Horm Metab Res. 2011;43(3):223–5. PMID: 21154195.